Beach Party

Jost van Dyke ist klein. So klein, dass kaum jemand auf unserem Schiff den Namen kannte. Es ist eine von den Britischen Jungferninseln, nebenan von Tortola. Der holländische Pirat, nach dem sie benannt ist, mag eine große, schillernde Persönlichkeit gewesen sein, aber das Inselchen besteht nur aus ein paar Hügeln mit schroffen Felswänden, die aus dem Meer aufsteigen, sie hat nur knapp 300 Einwohner, und ein paar Strände. Die Strände waren es, die uns lockten, die wir brauchten an diesem Tag: für ein Beach Picknick mit 500 Passagieren und rund 300 Crew-Mitgliedern von der MS Europa 2. Zum Ende fast jeder Kreuzfahrt läuft die Crew noch einmal zu Höchstform auf.

Schon am frühen Morgen, gleich nach dem Ankern, fahren die Schlauchboote unablässig zum Strand – dieser hier heißt White Bay – und bringen die Dinge hinüber, die wir im Laufe des Tages brauchen: Bierzeltgarnituren, blaue Zeltdächer mit der Aufschrift „Europa 2“, weiße Tischdecken, pSonnenschirme. Kühlkisten, Getränke, und genug zu Essen, um rund 800 Leute satt zu bekommen. Grills werden aufgebaut, und unsere kleine Zeltstadt sieht bald aus wie ein elegantes Restaurant. Das strahlende Weiß der Tischdecken sieht frisch aus zum Blau der Baldachine, die Sonne scheint, das Meer schimmert türkis und einladend, der weiße Sand fühlt sich herrlich zwischen den Zehen an – noch ein letztes Mal gehen wir hier in der Karibik an Land, ein letztes Mal genießen wir ein Bad im Meer auf dieser Reise. Der letzte Stopp: Jost van Dyke.

Die Zodiacs schaffen immer 10 Passagiere auf einmal zum Strand, dort springen wir ins knöcheltiefe Wasser, laufen die drei Schritte bis zum Strand – eine nasse Anlandung nennt man das, und schon haben wir wieder die beste Urlaubslaune. Wir organisieren uns Liegen oder breiten unsere Handtücher im Sand aus, stellen die orange-gelben Schirme auf, und bald sieht der Strand aus, wie von Dutzenden Pfifferlingen übersät. Die ersten laufen schon den Strand ab, vom einen Ende zum anderen. Ein paar Segelyachten sind in der Bucht geparkt, weiße Boote auf blauem Meer, ein Karibikklischee, das wir so gerne noch ein letztes Mal fotografieren. Und schon sind die ersten Wasserratten in den Wellen, die so dicht am Ufer, über dem weißen Sand, dieses wunderbare Türkis haben…. zum Träumen schön. In ein paar Tagen, wenn die meisten von uns wieder im kalten Deutschland oder in der frostigen Schweiz sind, werden wir uns erinnern an Szenen wie diese: mit den Füßen im Wasser den Strand entlang… und wir werden uns dann noch eine Strickjacke überziehen.

Aber noch sind wir hier, in der Karibik. Auf Jost van Dyke. Und schon schwärmen die Crewmitglieder aus, mit Tabletts in den Händen: „Champagner? Bier? Rumpunsch? Saft?“ Meine Güte, nimmt das denn nie ein Ende mit dem Verwöhnen? Auf der Europa 2 wird man sowieso auf Händen getragen. Ständig ist ein Crewmitglied da, begrüßt und verabschiedet, hält die Tür auf, bietet Kaffee an, räumt nasse Handtücher weg und reicht frische. Und in ein paar Tagen soll das alles vorbei sein, wir holen dann wieder selber unsere Getränke, sind für den Einkauf, das Kaltstellen, den Abwasch selber zuständig, und die Tür müssen wir sowieso selber öffnen…. Das alles konnten wir ja vor dieser Reise und wir werden es sicherlich wieder können, aber heute, heute werden wir noch einmal so richtig verwöhnt.

Die „Gläser“ sind aus Kunststoff, damit es am Strand keinen Bruch gibt. Und schon ist auch der Grill angefeuert, oder vielmehr, die Grills. Würstchen, Kartoffelsalat, drei Sorten Senf, Hummer und Krabben, Backkartoffeln mit saurer Sahne… hier bleibt heute kein Wunsch offen. Champagner? Grauburgunder? Rosé? Das ist luxuriös, und wir genießen es. Das ist unser wunderschönes Abschiedsfest, nach fast zwei herrlichen Wochen auf dem Schiff, das da draußen so fotogen in der Bucht liegt. Eine Steel Drum Band ist angeheuert worden und spielt und spielt. „No woman, no cry“, von Bob Marley. Bob darf nie fehlen, hier in der Karibik. Er sorgt noch heute und wahrscheinlich für alle Zeiten für das tropische Flair, den Reggae, die Rhythmen der Karibik. Und wir wippen mit den Füßen. Die Strandbar ein paar Schritte weiter heißt „One Love“.

Und dann kommt der Wolkenbruch. Seit einiger Zeit sehen wir schon draußen in der Bucht eine große dunkle Regenwolke aufziehen. „Die zieht vorbei,“ sagt unser Tischnachbar. Aber der Wind scheint sie auf uns zuzutreiben. Und als sie fast vorbei ist, fallen Tropfen, einzelne zuerst, groß und fett. Wir haben fasziniert die Wolke vor uns beobachtet, und nciht darauf geachtet, was sich hinter uns, über den Berg, zusammenbraut. Aus ein paar Tropfen wird ein Wolkenbruch, wir flüchten unter die Zeltdächer, drängen uns eng an die Tische. Es nützt nichts, wir werden pudelnass. „Zum Glück sind 30 Grad, denke ich, „das trocknet alles ganz schnell.“ Aber noch fliessen Sturzbäche von den Zeltdächern. Ich habe mich an der Bar untergestellt. „Wollen Sie ein Glas Rosé für die Wartezeit?“ sagt ein Crew-Mitglied. „Ach ja,“ sage ich, „her damit!“ Der Regen lässt nach, wir kennen das schon von anderen Landausflügen. Nach 5-10 Minuten ist der Spuk vorbei.

Ich schaffe es zurück zum Tisch. Mein Würstchen schwimmt auf dem Teller im Regenwasser, die Sitzkissen auf den Bänken sind pitschnass und ich esse im Stehen. Dann reicht mir jemand ein Handtuch und es wird wieder gemütlich. Nach kurzer Zeit sind unsere Strandhemden wieder getrocknet. Und auch die Band spielt wieder. Die Sonne wieder heraus und wer nicht gerade isst, springt ins Wasser.

Und es ist schon Nachmittag. „Wann geht das letzte Zodiac-Boot?“ ist die Frage, die jetzt am Häufigsten gehört wird. Und „Ist noch Champagner da?“ Um 16 Uhr, ist die Antwort auf die erste Frage, und Ja die Antwort auf die zweite. Ich gehe nun endlich auch baden. Normalerweise bin ich von fremden Gewässern nicht so begeistert, was mag da alles drin sein? Fische? Quallen? Seeigel? Ein Ehepaar hat damit schon unangenehme gemacht, ich bin zögerlich. Aber hier ist der Untergrund schneeweißer Sand, das Wasser ist glasklar. Einige Frauen sind im Wasser, wir lassen uns einfach von den Wellen umherschaukeln und unterhalten uns. Über den tollen Urlaub, und den ganz speziellen Abschluss, diese herrliche Party heute. Unsere Männer stehen am Strand und halten Gläser in der Hand. „Drei Gläser Champagner für uns, bitte,“ ruft die eine Frau aus dem Wasser. Und tatsächlich läuft einer der drei los und kommt mit dem Gewünschten zurück. Bis ins Wasser läuft er und überreicht uns Sprudelndes, mit einer kleinen Verbeugung. Wir lachen und bedanken uns. Und bis zum Hals im Karibikwasser, stoßen wir an. „Ist das nicht dekadent?“ sagt eine. „Jaaaa!“ antworten wir beiden anderen, und lachen. Einer der Männer schießt noch ein Foto, von uns Dreien, mit unseren Gläsern in der Hand im Wasser sind. Das Leben ist wunderbar. Ganz besonders heute.

In ein paar Tagen hat sie uns wieder, die Realität. Und dann gibt es immer noch dieses Foto.

Beach Party

Jost van Dyke. The Island is so small that most of the passengers on our ship have never heard of it. It is one of the British Virgin Islands, and our last stop on this Caribbean Cruise. Maybe the Dutch pirate who gave this little place its name was a larger-than-life, colorful figure. But the island is just a big rock jutting into the sea, and it only has 300 inhabitants. It has the one thing we need today: a beach. On almost every cruise, towards the end, the Europa 2’s crew rises to the occasion, in a very special way. Very early in the morning, when we are still getting ready for breakfast, they start bringing supplies to the island, in zodiacs. Tables and benches, blue canopies with the Europa 2 logo, barbecue grills and coolers. Orange sun umbrellas, towels, water bottles. Enough food to feed 800 people – 500 passengers and roughly 300 crew members.

When we get to the beach – called White Bay – in our zodiacs, we step into the ankle-high water and immediately, that vacation feeling starts. We walk up a few steps to the beach, and everything has been set up for us, just perfectly. The colors are unreal: the dark blue of the canopies, the white of the seat cushions and tablecloths, the gold of the sand, the turquoise water. Palm trees, colorful beach bars…. a Caribbean cliche that we enjoy recording on our iPhones and cameras. A few days from now, we will be back in cold Germany, in snowy Switzerland, and then, we might shiver and put on an extra sweater…..

Today is the last day where we will walk on a beach, swim in the sea, and once again we will be spoiled by the crew. On board, there is always a crew member to greet us, hold the door open, offer refreshments, exchange wet towels for dry ones. In only a few days, we will have to do our own shopping, carrying, stocking the fridge, and if we want a drink, we’ll have to go get it, and rinse the glass. But here, on this last day on shore, the crew will pamper us, more than ever.

We have organized our beach chairs, or spread out our towels in the sand. Some are walking down the beach and back, many are already swimming in the warm Caribbean Sea. And here is the crew, with trays. “Would you like some champagne? Beer? Rum Punch? Juice?” And we enjoy the luxury.

The glasses are plastic, here on the beach. We want no glass shards in the sand. Soon it is time for lunch. The barbecue is in full swing: sausage and lobster, potato salad and baked potatoes, ice cream and cake. The crew manning the grills is sweating – poor guys, they are under the canopies but the heat of the sun and the grills combined…. I don’t envy them. But they cheerfully proceed to provide food for the hungry masses.

A big rain cloud has hung over the bay for a little while. “It won’t come this way,” says my neighbour at our table.” I have my doubts. The wind seems to be driving it straight our way. And when it has almost passed, a few drops of rain fall. And soon they turn into a deluge. We have watched the cloud in front of us, and have neglected to check what was brewing behind us, a rain squall approaching over the mountain.

We get soaked. Some of us try to stand under the canopies, but soon, small waterfalls run off them. I have taken shelter under the bar canopy. The perfect place to be! “Would you like some rosé wine while you are waiting?” the barkeeper asks. “Sure,” I say. There are worse ways to wait for the weather to improve. But we are in the tropics, our clothes will dry quickly. And finally I make my way over to my seat. It is soaked, and I eat my sausage standing up. Then a kind soul offers me a dry towel, and it gets more cozy. And just like that, the sun comes out again and we start drying out.

And the Steel Drum Band starts playing again. “No woman, no cry” – Bob Marley’s reggae tunes have accompanied us throughout this wonderful trip. And the name of the beach bar next door is “One Love”. And our ship is being photogenic out in the bay.

Already, it’s afternoon, time is passing much too quickly. “When is the last zodiac leaving?” is a much asked question. And the second one,”Is there more champagne?” 4 pm, is the answer to the first question, and Yes! the answer to the second. And finally, I go swimming. I generally mistrust unknown waters, and am hesitant to enter. Who knows what could be in there. Fish? Jelly fish? Sea urchins? But here, the ground is pure white sand, the water is translucent, I can see my toes. Surely, this is safe? The water is so pleasant, warm, salty. I join two ladies whom I have met on the boat. We chat about this wonderful trip, this happy afternoon, the joy of drifting in this turquoise Caribbean Sea. Our husbands stand on the beach and chat. “Three glasses of champagne, please,” one of the ladies calls. And really, one of them dashes off and returns with three glasses. He walks into the water to bring them to us, and we thank him, and cheer. Decadent? You bet! One of the men takes a photo of us, in the water with our glasses. Life is wonderful, especially today.

In a few days, we will be back in real life. But there will still be that photo

Am Ende des Regenbogens

St. Lucia, die beiden Pitons, der große und der kleine. Vulkanisch, die ganze Insel, und wir laufen gerade ein in die sonnenbeschienene Bucht von Marigot Bay, als ein Platzregen niedergeht. Ich kann gar nicht sehen, woher der Regen kommt, denn nur eine kleine weiße Wolke steht über St. Lucia. Und von der bekommen wir Regen ab? Wie geht das? Ein wunderschöner Regenbogen wölbt sich vor uns. Geht es noch kitschiger?

Bald sind die Tender fertig zum Einsteigen, sie holen uns von einer Plattform ab, die aus der Europa 2 an der Wasserlinie ausklappt. Die Europa 2 liegt hier vor St. Lucia auf Reede, das heißt, sie legt nicht am Kai an. Die Rettungsboote, die Tender, bringen uns an Land. Dort erwartet uns der Landgangsdirektor, er teilt uns auf Busse auf, denn unser Programm heute heißt, St. Lucias Süden zu Wasser und zu Lande.

Die Bucht ist zauberhaft, mit ganz wenigen Hotelresorts und sehr vielen wunderschönen Segelyachten. Rundherum Mangroven und tropischer Regenwald. Und gebirgig ist die Insel, nach vielen flachen Inseln sehen wir nun vulkanischen Berge. Die beiden Pitons sehen aus wie Zuckerhüte, bedeckt mit grünem Tuch. Wir werden ihnen später sehr nahe kommen.

Unsere Führerin heißt Christelle und sieht wunderschön aus. Sie hat tolle schwarze Zöpfe – später sagt sie mir sie seien nicht echt. Aber sie stehen ihr super, und die Hälfte der Zeit starre ich darauf und frage mich, wie sie das mit der Haarpflege anstellt. Werden die vielen Zöpfe mitgewaschen und mitgetrocknet? Wie bekommt man den Nachwuchs am Haaransatz mit hinein in die Pracht? Wie machen das die Rastatypen, die wir am Straßenrand sehen, die ihre ellenlangen Dreadlocks teils offen tragen, teils unter riesige Strickmützen gestopft haben?

Im 16-sitzigen Kleinbus chinesischer Bauart fahren wir über die steilen Bergstraßen und Serpentinen. Wir sitzen in der letzten Reihe und mir wird langsam schlecht. Machen wir eine Linkskurve, gibt es unter mir rechts ein hässliches Schabegeräusch. Landestypische Transportmittel, hatte es in der Ankündigung geheißen, und der landeskundlich Vortragende hatte erwähnt, dass die Busse eventuell nicht so ganz nach deutschem Standard wären. Ich mache Wolfgang auf die Geräusche aufmerksam, und er lacht, und sagt: Chinesische Busse halten noch viel mehr aus! Und das Geräusch wäre dabei auch ganz normal.

Auf St. Lucia fährt man links. Ich komme langsam durcheinander: die gerade besuchten Inseln Great Inagua / Bahamas, Aruba und Bonaire sind teils selbstständige Staaten unter dem Schutz Großbritanniens oder der Niederlande, teils französisches Hoheitsgebiet ( Bonaire), und auch St. Lucia ist ein eigenes Land. In manchen fährt man rechts, hier auf St. Lucia also links, der britische Einfluss? Nicht ganz einfach, das alles auseinanderzuhalten.

Wir stoppen als erstes an einem Ort names Horizon. Nur ein paar Häuser stehen hier, eins davon ist eine Hütte an einem Aussichtspunkt. Man geht hindurch, es gibt eine Rumprobe – für die es uns noch viel zu früh ist – und einen Mann, der kleine Snacks anbietet. Gebratene Brötchen und ein Stückchen Fisch mit Mangosoße. Mmh, lecker! Ich bin begeistert. Einer der Mitreisenden tritt auf mich zu. „Ich bewundere deinen Mut,“ sagt er, und meint den Fisch, und die möglichen hygienischen Zustände in der Hütte. Aber mir schmeckt es, der Fisch ist zart und saftig, das Brötchen knusprig und lecker und die Mangosoße passt wunderbar dazu. Sollte ein wenig Desinfektion nötig sein, wäre der Rum sicher ideal dafür. Aber wir haben eine lange Tagesfahrt vor uns, und wie gesagt: ganz hinten im Bus, da wo ich sitze, schwankt es sehr.

Mit meinem Tellerchen trete ich an die Brüstung der Aussichtsplattform. Und bevor ich die atemberaubende Aussicht fotografieren kann (wie schnell hat man die Kamera parat, wenn man einen Teller mit Fisch balanciert?) fängt es wieder an zu regnen. Und wieder sehen wir keine Wolke, aber da ist es, das wunderschönste Fotomotiv von allen: unter uns der grüne Regenwald, dahinter die Bucht mit blauem und türkisfarbenem Wasser, und auf dem Wasser unser strahlend weißes Schiff. Als hätte man es extra so als Blickfang dort geparkt, und nun noch der Regenbogen, in seinen bunten Farben der ideale Kontrast zum Schiff…. man muss kein Maler sein, um jetzt gerade in Verzückung zu geraten.

Alles ist ein bisschen nass geworden, ich trockne schnell die Kamera mit dem Halstuch, und schon geht es wieder ab in den Bus und weiter. Ich sage noch schnell dem Fischmann, wie gut mir die Kostprobe geschmeckt hat, und renne hinter meinen Reisegenossen hinterher. Und wieder Kurven und steile Straßen, aber ich habe jetzt etwas im Magen, und mir wird nicht mehr übel. Wir fahren durch das kleine Dorf Canaries, das nach den Kanarischen Inseln benannt ist. Die buntbemalten Holzhäuschen sehen hübsch, aber verwahrlost aus. Unsere Reisebegleiterin Christelle erzählt uns von der Infrastruktur – Schulen, Krankenhäuser, sogar Universitäten gibt es hier auf der Insel. Die Inselsprache ist französisches Patois, und sie bringt uns gleich ein paar Worte bei. Wer französisch kann, versteht sie. Ein bisschen anders ausgesprochen, aber verständlich. Die Landessprache ist englisch. Einige der Guides in den anderen Bussen sprechen deutsch, Christelle’s Englisch hat einen netten Akzent, aber wir verstehen sie gut. Zur Sicherheit wiederholt sie jeden Satz, im genau gleichen Tonfall, in den genau gleichen Worten wie zuvor.

Ein Geruch nach faulen Eiern macht sich bemerkbar. „Ich war es nicht!“ sagt Christelle, und lacht. Nein, es sind die heißen Schwefelquellen, die uns in Erinnerung rufen, dass St. Lucia vulkanisch ist. Vor gut dreihundert Jahren ist der Vulkan das letzte Mal ausgebrochen. Es wird Zeit, sagt sie. Sicherlich war das ein Scherz? Ein kleiner Schauder läuft uns über den Rücken. Heute, vielleicht? Nicht heute, sagt Christelle, und wir atmen auf. „Vielleicht morgen, da habe ich frei!“ Wir lachen alle mit und fangen an, den Inselhumor zu verstehen – natürlich lebt man hier tagtäglich mit der Aussicht auf einen Vulkanausbruch, und irgendwie arrangiert man sich. Alle 200 Jahre? Das könnte noch sooo lange hin sein! Tatsächlich befinden wir uns schon in der Caldera, dem eingefallenen Kraterteil. Wir bekommen einen neuen Guide, tiefschwarz von der Hautfarbe her, im Vergleich zu Christelles Cappuccinobraun. 80% der Einwohner St. Lucias sind afrikanischer Herkunft, bedingt durch den früher massiven Einsatz von afrikanischen Sklaven auf den Karibikinseln. In den Salinen Arubas, auf den Bananenplantagen St. Lucias wurden sie eingesetzt, bevor Maschinen große Teile solch harter Arbeit verrichten konnten. Ein dunkles Kapitel in der sonst so sonnigen Geschichte dieser Inseln. Aber zurück zu den Schwefelquellen. Wir steigen aus dem Bus. Puh, hier draußen stinkt es wirklich mächtig! Aus sicherer Entfernung, hinter einem Geländer, sehen wir die weißlich-gelben Sedimente, eine Kruste hat sich über dem Schwefelschlamm gebildet, nur an manchen Stellen sind Löcher, aus denen heftig dicker dunkelgrauer Schlamm blubbert. Über dem Rest der Landschaft hängt weißer Dampf. Solange es stinkt, sagt unser Führer, ist noch alles in Ordnung. Da ist der Geruch nur lästig, und die Konzentration der Schwefelgase gering. Steigt die Konzetration, wird es geruchlos, und kann tödlich sein. Also sind wir dankbar für den Gestank, sagt einer aus unserer Gruppe, und wir lachen.

Wie unser neuer Guide heißt, kriege ich nicht mit, denn es fängt an zu regnen. Heftig diesmal, binnen Sekunden steigert sich der Regen zum Wolkenbruch. Ein Teil der Gruppe ist mit dem namenlosen Guide schon Treppen hinuntergestiegen, und sucht unter einem Bambus Zuflucht. Wir drehen schnell um, stellen uns unter das schmale Dach einer Andenkenbude. Andere waren noch schneller, sie sind zurückgesprintet zum Bus. Sie bleiben relativ trocken. Wir werden ziemlich feucht. Die Gruppe unter dem Bambus ist pitschnass. Ihre Hemden kleben am Körper, ihre Haare am Kopf. Gut, es ist warm, aber später im Bus kann die Klimaanlage unangenehm für sie werden. Und wir alle haben nun alle langsam den St. Lucia-Look: die Haare feucht und vom Wind durcheinandergewirbelt.

Und nun hört der Regen auf, und, genau, ein Regenbogen biegt sich über uns. Er wird erheblich öfter fotografiert als die Schwefelquellen.

Früher gab es diese Absperrung nicht, erzählt unser Guide. Und ein junger Guide namens Gabriel stieg auf die elastische Schwefelkruste und sprang darauf herum, um seinen Gästen die Konsistenz zu verdeutlichen. Sie war nicht ganz so haltbar, wie er dachte, und brach unter ihm durch. Er sank bis zur Taille im heißen Schwefelschlamm ein. Man hat ihn schnell herausgezogen, und Gabriel hat es überlebt, sagt unser Guide, allerdings mit Verbrennungen dritten Grades. „Aber er hat danach noch Kinder bekommen,“ sagt unser Guide und lacht.

Und weiter geht es mit dem Bus, bald sind wir in Souffriere, einer der wenigen Städte der Insel. Christelle bringt uns zu einer ehemaligen Plantage, die jetzt eine Art botanischer Garten ist. Ein kleines karibisches Dorf ist hier aufgebaut, mit palmengedeckten Hütten. Das weiß-gelbe Herrenhaus steht immer noch und ist gut erhalten, mit seinen herrlichen Veranden, auf denen sich früher die Deckenventilatoren gedreht haben müssen. Die Schaukelstühle aus Korbgeflecht sehen so einladend aus – aber wir müssen weiter, denn schon drängt die nächste Touristengruppe an unseren Platz. Es gibt einen ärgerlichen Wortwechsel zwischen den Fremdenführern, unsere Christelle fühlt sich bedrängt – waren wir doch gerade dabei, zuzuschauen wie ein Mann Kokosnüsse mit einer Machete aufschlug. Ein Stückchen Kokosnuss hatten wir jeder noch schnell kosten können. Lecker und saftig war es. Und kauen kann man an Kokosnussfleisch auch ewig, selbst wenn man aus dem Paradies vertrieben wurde.

In einer kleinen Hütte demonstriert man uns die Ernte der Kakaobohnen. Die Früchte sind groß und gelblich-grün. Christelle schlägt eine in der Mitte auf. Darin sind Kakaobohnen, in ein weißes, glitschiges Fleisch gehüllt. „Wer möchte kosten?“ fragt sie. Und keiner will. „Prima, dann esse ich sie alleine,“ sagt sie, „sie schmecken köstlich zitrussig.“ Und plötzlich möchten alle kosten. Bitter hatten wir erwartet, nicht sauer und saftig. Wir sollen nur die weiße Umhüllung lutschen, sagt sie. Es schmeckt lecker, ich hätte gerne noch mehr. Den Kern, den ich nicht essen soll, spucke ich aus. „Dort wächst bald ein Kakobaum,“ sagt Wolfgang. Wir laufen durch die Hütte, ein junger Mann vollführt mit nackten Füßen ein Tänzchen auf getrockneten Bohnen, vermutlich, um die Hüllen zu knacken. Dann werden sie geröstet, sagt man uns. Draußen läuft ein Esel im Kreis und treibt eine Mühle an. Die Kakaobohnen werden hier gemahlen. Langsam bekommen sie nun ein Aussehen, das wir kennen. Der Esel bekommt ein wenig Hilfe von dem jungen Mann, der die Handvoll Kakaobohnen in die Mühle geworfen hat. Der Esel fängt an, flott zu traben, als der Junge Mann mithilft, die Mühle zu drehen. Als der aber aufhört, verfällt der Esel wieder in einen gemächlichen Schritt. Er weiß, wir laufen weiter, und er braucht sich nicht mehr anzustrengen.

Der Garten hat ein Restaurant, und wir und alle anderen Gruppen dürfen uns hier am Lunchbuffet bedienen. Endlich bekommen wir die legendären Bananen zu kosten. Sie zählen als Gemüse und werden gebraten serviert. Manche sind gelb und sehr süß und schmecken deutlich nach Banane. Andere sind blass und fast holzig-trocken. Sie wirken mehr wie Kartoffeln. Dazu gibt es Hähnchen, Fisch, und Reis. Und wie immer in der kreolischen Küche, scharfe Soße. Und schon wieder werden wir weitergebeten, zum Bus. Der Katamaran für unsere Rückfahrt zum Schiff wartet.

Einen Stopp gibt es noch bei den Toiletten, die wunderhübsche Holzhäuschen sind, mit ausgeschnittenen Ananas in Holzbrettern. Leider sind zwei von vier Toiletten außer Betrieb, aber so bekomme ich Gelegenheit, in der Wartezeit Christelle über die Pflege ihrer Frisur und der Haare der Rastamänner auf der Insel zu befragen. Ihre Zöpfchen, sagt sie, sind Extensions, also nicht ihr eigenes Haar. Und die Rastamänner waschen tatsächlich diesen ganzen Wust der Dreadlocks, mit Shampoo, lassen es zunächst lufttrocknen, und helfen notfalls mit dem Fön nach. Das muss Stunden dauern! Und Lufttrocknen, bei den vielen Schauern, das ist auch keine schnelle Lösung. Und wie wird der nachgewachsene Ansatz in die Dreadlocks integriert? Indem man ihn mit Wachs zwirbelt, dreht…. hm…. „Und das Wachs hält die Locken frisch!“ sagt Christelle. Nun weiß ich’s. Ich bleibe trotzdem beim Kurzhaarschnitt.

Und dann steigen wir auf den Katamaran, und man unterweist uns, dass es alkoholische Getränke erst nach dem Schwimmstopp geben wird – offensichtlich sollen wir davor beschützt werden, volltrunken in dem warmen Fluten des Karibischen Meers zu versinken. Gut so! Der Rumpunsch nach dem Baden ist dann auch erstaunlich stark, und die Stimmung an Bord ist ausgelassen. „Don’t worry, ’bout a thing! Every little thing is gonna be alright!“ tönt Bob Marley aus den Lautsprechern, und unsere Guides tanzen und singen dazu. Soweit es der Platz erlaubt, tanzen wir mit, und die anderen wippen mit den Füßen. Karibische Entspannung. Zwei heftige Schauer fegen über uns hinweg, es wird gedrängt voll unter Deck, wieder bringen wir die Kameras in Sicherheit, wieder strahlt der Regenbogen. Noch ein kaltes Bier am Hafen – Piton Bier wollte ich, das lokale, aber irgendwie ist es heute überall ausverkauft. Don’t worry ’bout a thing. Heineken schmeckt auch sehr gut.

Ein Paar, das wir schon vom Schiff kennen, setzt sich zu uns. Wir bewundern die Yachten, die in den kleinen Hafen ein- und auslaufen. „Möchten Sie auf so einem Schiff leben, das ganze Jahr?“ fragt der Mann. „Nein, aber vielleicht 2-3 Monate,“ sagt Wolfgang. Und wieder flüchten wir unter’s Dach, und wieder ist die Wolke nicht zu sehen, die sich da irgendwoher über uns entleert. „Naja,“ sage ich, wir wissen ja nun, wo das Ende des Regenbogens ist, und wo der Topf mit Gold vergraben ist. Dann können wir uns ja so eine Yacht leisten!“

Und am Abend, beim Auslaufen, sitzen wir auf dem Balkon. An einer Seite geht die Sonne unter, auf der anderen Seite sind die beiden Pitons nicht mehr zu sehen im Wolkenbruch.

Tschüss, St. Lucia. Every little thing is gonna be alright.

Always a rainbow

St. Lucia, a volcanic island, the two Pitons visible as our ship enters Marigot Bay. The bay is idyllic, with only very few resorts, mangrove forests and tropical rainforest, lush and green. A tiny beach, and opposite the beach, elegant and luxurious yachts are moored, or are leaving the bay for their day’s outing. Our ship needs to stay outside the bay, and the ship’s tenders bring us to to the marina’s dock. A rainshower pelts down, very briefly, and after it, we see a rainbow. That’s surely a good omen for our day on St. Lucia.

We are assigned a local guide. Her name is Christelle, and she is a beauty, with her hair done in many tiny braids, Later, we’ll have a discussion on how to care for hair like hers, or of the dreadlocks many men on the island sport. But we are not that well acquainted yet, so I dare not ask. But I wonder.

Our bus is a smallish 16-seater of Chinese origin. It is not new, far from it. Expect local-style transportation, we had been told, and here it is. We are seated in the last row, and I get slightly nauseous on the winding mountain roads. Every time the road curves left, I hear a terrible scratching, groaning sound below me. Some part of the bus seems to be giving out, hopefully not an important one? I alert Wolfgang to the sounds, but he just laughs. “You should know that Chinese busses can take a lot more than that!” And he is right. And we continue up the mountain.

On St. Lucia, people drive on the left side of the road. After so many little islands, some independent, some overseas territory of some European country or other, I get confused. In some, you drive on the left side, some on the right. Some are still affiliated with, and protected by, their previous “owners”. In some, the state language is English, with a local language a close second, which again is a mix of French, Spanish, English, Dutch, and sometimes, German. Here on St. Lucia, French Patois is spoken, and when Christelle teaches us a few words, I can understand – it’s much like French, but pronounced a bit differently. Christelle speaks English with us, with a very cute accent. Some passengers from the ship don’t speak quite enough English, but she speaks very slowly and repeats almost every sentence, with the exact same words and the exact same intonation. She explains about snacks we can sample along our tour, and beer and rum punch for lunch. Ah, everybody exclaims, and we all laugh – because certainly everybody did get the rum punch part.

First, we stop at a place called Horizon. It is little more than a souvenir cottage with a platform for an amazing view. There, below, is the bay, and the jungle, and our ship anchored right there where the ocean turns from dark blue to turquoise, like it needed to be there for the photo. There was a booth with rum bottles, for a rum tasting – well, it was too early for rum, but a man offered a local snack with some delicious fried fish and fried bread, and spicy mango sauce. “I admire your courage,”, one of the passengers said. But he probably hasn’t lived in China for more than a decade. My stomach is asbestos-lined and most likely immune against the world’s germs.

And as we are taking our photos, another rain shower comes down. We run for cover under the cottages palm leaf roof. And then it is over, and the most beautiful rainbow appears over the bay. Such beauty! But we have to run to catch our bus, bus number 5, as Christelle keeps repeating.

More winding roads, but this time, my belly is mostly full, and the curves don’t matter. I don’t feel queasy. We pass through a village called Canaries, after the Canary Islands. Colorful little wooden houses look lovely, but slightly dilapidated. Christelle explains about the I frastructure. This small island, surprisingly, has everything: primary schools, and hospitals, secondary schools and even two universities.

Suddenly, a smell of rotten eggs fills the air. “It wasn’t me,” says Christelle, and we all laugh. It’s the sulphuric springs we are going to see next, and they are in the caldera of the volcano, the collapsed volcanic bowl. White and yellow sediments line the street, and in the open parts we see dark grey mud bubbling up. We get a different local guide for this little part of the visit, and right after he greets us and assembles us behind a railing, it starts raining. Raining hard this time. The guide and some of us flee down the stairs to hide under a big bamboo plant. They get totally soaked. I mean soaked, with wet shirts clinging to their backs and wet hair plastered across their skull. Some of us, Wolfgang and me Included, seek shelter under the narrow protruding thatched roof of the souvenir stand. We get wet, but not excessively so. The clever ones among us dash back to the bus and get back into their seats. They are the driest among us. The rain keeps up for at least five minutes, a full-blown downpour. Then we assemble back under dripping leaves and a rainbow appears. It’s so beautiful, it steals our attention away from our guide. But he has a fascinating story to tell: years ago, the guides used to go on to the sulphur crust and jump around on it, to show how elastic it was. Well, one young guide by the name of Gabriel jumped too hard and fell through he crust into the hot, bubbling mud, sinking in up to his waist. It seems he was pulled out rather quickly, but he suffered third degree burns. So after that, nobody except scientists who monitor the seismic activities are allowed beyond the fence, and I guess after hearing the story of Gabriel, nobody jumps around any more but treads lightly. “He is alive today, and he even had kids after that,” our guide concludes the grisly story.

Back on the bus, we have a hard time getting the sulphuric smell out of our nostrils. It seems to cling to us. We learn that as long as the smell is that bad, the concentration of sulphuric gas is tolerable. When it gets higher, and potentially deadly, it gets odorless. “So we should be grateful for the stench,” someone remarks, and we all laugh, half gagging.

Soon we reach Souffrière, one of the larger cities on the island. Christelle takes us to a previous plantation that is turned into a tourist attraction, complete with a botanical garden and a pretty little replica of a Carib village. The small cottages have roofs made of palm leaves. And then there is a beautiful villa in French colonial style, so lovely and soothing to the eye, in the midst of all this lush greenery. I can imagine the fans turning in the porch ceiling, and when I see the wicker rocking chairs, I want to spend the rest of my life here.

But we get rushed along by an aggressive tour guide who has words with our Christelle, just when we are watching a man slice open coconuts, and we get to taste the sweet chewy meat. We console Christelle – she is a wonderful tour guide , and this is not her fault. I guess tour guides are permanently afraid a guest will make a negative comment after the tour, like, “We did not get enough time to watch the coconut-opening demo ,” but we are an easy group and nobody would even think of complaining. The next stop explains another local crop, the cocoa bean. Christelle gets handed a yellow cocoa fruit that is partly sliced open horizontally. It flips open, and wet white slimy seed appear. „Who wants to try,“ she asks. Nobody answers. “Good, then I am going to eat them all,” she says. “they are delightfully citrusy and refreshing.” Now we all want to try. “Just suck them, do not bite the seed, do not chew.” And the taste is just as delicious as promised. I spit what’s left of the seed on the ground. “A cocoa plant will grow there next year,” Wolfgang says. Inside that shed, we see cocoa beans being dried and shelled. A young man dances with his bare feet on dry beans in a metal container. We applaud him – I guess that’s how you get rid of the hard shells. Then they are dried some more, and roasted. Outside, a donkey is roped to a pole that turns a mill which grinds the beans into a powder that is now finally familiar. Yes, we know cocoa in that shape. The donkey walks very slowly, and then the young man helps him turn the mill by pushing on the pole. The donkey picks up the pace, but as soon as the young man stops helping, the donkey slows down to his previous sluggish pace. He knows we will go on in just a minute, and he need not exert himself.

The next stop is the restaurant, where we get local fare for our vouchers: fish and chicken, rice and beans, and finally, the bananas for which the island is famous. Some of them are the sweet, yellow kind called Valerie, some are plantains, some are drier and pale and the consistency resembles potatoes more than bananas. They are all considered vegetables, and are cooked or fried. The fish is nice and crisp and juicy, and the bananas complement the meal well. As usual in these islands, a spicy creole sauce accompanies the meal. Some diners gasp – we are not used to this degree of spicyness. For my drink voucher, I wanted the local Piton beer, named after the two landmark volcanic mountains on the island, but it’s sold out, and we drink Heineken instead. It’s nice and cool….

There is one last rest stop before we take the bus down to the Souffrière dock to board the catamaran back to Marigot Bay. We all queue in front of two very pretty toilet huts that are yellow with turquoise boards with cut out pineapple. I take photos, and while we wait for all to take their turn, I quiz Christelle about her hair. She laughs. “Mine are actually extensions,”she says. “They’re not natural. But yes, we wash the whole of our braids with shampoo, then let them air dry, then blow dry them. Same for the Rasta men with their dreadlocks.” I am amazed. They must take forever to dry. “But how do you add the newly grown hair near the scalp?” I ask her. “We twist it with our fingers, and wax,” she says. “The wax keeps the hair fresh, too!” I was embarrassed to ask her such a personal question, but she is happy I asked. From now on, she calls me “my darling”. I, however, feel I will stay with my short haircut, which admittedly suffers badly from the rain and the wind.

And off we go on the catamaran. The rum punch, we are informed, will only be served after the swim stop. It seems they don’t want us to drown, inebriated, in the warm Caribbean Sea. And during the swim stop, two more rain showers. We all huddle in the lower deck, and cover our cameras. The mood is excellent, though. “Don’t worry, ‘bout a thing. Every little thing is gonna be alright,” sounds Bob Marley from the loudspeakers, and our guides and some passengers dance, and the others tap their feet and smile. Relaxation, Caribbean style. And after the rain, the inevitable rainbows.

We return to the dock. Ahhhh, now a cold Piton beer! Wolfgang returns with two frosted mugs. “They only had Heineken on tap,” he says. Oh, ok – don’t worry, ‘bout a thing….. the cold Heineken tastes wonderful. A couple from the ship sits down at our table as we admire the yachts returning to their berths. “How would you like to live on one of these, year round?” The man says. “Hm, maybe two or three months a year,” Wolfgang says. “If only we could afford it!”

“Well,” I say, as we grab our mugs and flee from yet another rainshower, “Now that we know where the end of the rainbow is, all we need is to dig up the pot of gold, and we will have the money for our own yacht!”

And later, as our ship leaves St. Lucia, and we sit on our balcony and get a last look at the Harbour, the sun sets in a rush of color on our right, and a heavy rainshower pelts down on our left, obscuring the Pitons. And our last rainbow of the day appears. Bye, St. Lucia. Every little thing is gonna be alright.

Warum ein Reiseblogger auf Reisen nicht bloggt

Seit drei Wochen sind wir auf Reisen, und ich habe euch nicht daran teilhaben lassen. Was ist los?

Wolfgang und ich sind durch Florida getourt, zum zweiten Mal in zwei Jahren. Wir kannten den Großteil der Strecke schon: Landung in Tampa, weiter zu unseren Freunden, Fee und Wolfgang, nach Seminole bei St. Petersburg, Florida. Nach ein paar Tagen in Seminole mit ihnen weiter nach Sanibel, von dort aus nach Fort Myers Beach, dann nach Naples. Quer durch die Everglades, dann nach Key West, und nach ein paar sehr unterhaltsamen Tagen dort haben sich unsere Wege wieder getrennt: während wir nur ein paar Stunden Autofahrt nach Miami hatten, mussten sie den ganzen Tag lang fahren, um nach Seminole zurückzukehren. Und wir stiegen auf’s Schiff, auf die Europa 2, und starteten an demselben Abend eine zweiwöchige Kreuzfahrt durch die Karibik.

Zum einen also war es die nette Gesellschaft unserer Freunde, die mich vom Bloggen abhielt. Jeden Morgen standen Fee und ich früh auf und trafen uns um 7 Uhr zum gemeinsamen Strandspaziergang, während wir unseren Männern noch etwas Ruhe gönnten. Bis diese zum Frühstück fertig sein mussten, hatten wir so schon alle Probleme der Welt schon gelöst, und sie mussten sich nicht mehr darum kümmern. 😉 Tagsüber schauten wir uns die Sehenswürdigkeiten der jeweiligen Orte am, wie man das im Urlaub so macht. Die Männer schauten den Fischern zu, schätzten den Wert der Yachten im Hafen, standen vor den Fenstern der vielen Immobilienmakler und überlegten, wo wir die fehlenden Millionen für die Villen im Foto herbekommen sollten. Fee und ich schauten in die Auslagen der Boutiquen, überlegten, ob wir nicht doch einen neuen Badeanzug brauchten, ich kaufte letztendlich (natürlich) einen Füller, und wann immer wir ein Michaels (amerikanisches Kaufhaus für Schreib-und Bastelbedarf) sichteten, stürmten wir hinein und suchten uns noch ein Rolle Washitape aus. Ich bin wohl süchtig nach diesem japanischen Papierklebeband, mit dem ich Briefe, Karten, und mein Reisetagebuch verziere. Abends ließen wir uns Fisch und Meerestiere gut schmecken, und rosa Tropencocktails (schade, dass die Papierschirmchen fehlten! ), zitronig-süßer Key Lime Pie und geradezu kitschige Sonnenuntergänge waren Beweise dafür, dass wir wirklich im Urlaub waren.

Und das reichte, um mich am Bloggen zu hindern? Nein! Ganz so leicht ablenkbar bin ich nicht. Was mich den ganzen Monat über beschäftigte, war NaNoWriMo. Ausgeschrieben heißt das National Novel Writing Month. Eine hauptsächlich amerikanische (mit national sind die USA gemeint) Erfindung: seit über 15 Jahren machen sich aktive und zukünftige Schriftsteller am 1. November ans Schreiben. Das Minimum sind 1667 Worte am Tag, das macht dann Ende November 50.000 Worte. Das ist genug für einen kurzen Roman. Ich glaubte nicht, dass ich das schaffen könnte. Wie lange braucht man für 1667 Worte, wie lange für 50.000? War ich verrückt, in einem Monat, von dem ich drei Wochen verreist sein würde, mir so ein Ziel zu setzen? Wollte ich nicht Florida sehen, entspannen, faulenzen, mit Freunden Spaß haben? Mit so einem Projekt ist es immer dasselbe: der Zeitpunkt passt nie. Immer hat ein Familienmitglied Geburtstag – bei mir waren es gleich 4 – und die Leute in USA hatten es noch schwerer mit der andauernden Konzentration, denn gegen Ende November ist Thanksgiving, das höchste Familienfest in USA, das üblicherweise liebevoll und aufwändig vorbereitet wird. Collegestudenten reisen nach Hause, die ganze Familie findet sich zusammen, und ein Truthahn mit sieben Beilagen muss auf den Tisch gezaubert werden. Was war dagegen eine Floridareise?

Also machte ich einen Test. Am 31. Oktober schrieb ich morgens, vor dem Aufstehen, einen Text, wie er zu meinem NaNoWriMo-Projekt passen würde. Ich wollte pro Tag ein Kapitel meiner China-Biografie schreiben, wollte meine Erlebnisse und Erinnerungen aus meinen zwölf Jahren in China zu Papier bringen. Ich bin Frühaufsteher, und zumindest diese Zeit, von 5 bis 8 Uhr morgens, war ganz meine eigene. Und ich schrieb an diesem Morgen in 1 1/2 Stunden das erste Kapitel, 1670 Worte, und mein Testlauf war erfolgreich. Aha, das war also machbar. Ich richtete mir auf der NaNoWriMo Webseite einen Zugang ein, in dem ich von nun an täglich meine Wortzahl hochladen musste. Und jeden Tag kroch ein kleiner Balken ein kleines Stück weiter voran. Ich konnte mein persönliches Diagramm ansehen: wie lag ich im Rennen, im Vergleich zum Soll? Schon bald lag ich etwas voran, das gab mir die Sicherheit, weiter auf Kurs zu bleiben, auch wenn ich mal einen Tag ausfiel. Aber ich fiel nicht aus. Schon bald war mir das tägliche Schreiben zur Gewohnheit geworden. Jeden Tag flossen die Erinnerungen nur so vom Hirn über die Tastatur in den iPad – die einzige geräuschlose Art des Schreibens am frühen Morgen, wenn der Rest der Urlauber noch schlief.

Die morgendlichen Spaziergänge in Florida verkürzten die Schreibzeit, aber nun hatte ich schon Routine. Vor 6:30 musste ich mein tägliches Schreibpensum fertig haben, dann war meine NaNoWriMo-Welt in Ordnung. Am 22.11. hatte ich meinen NaNoWriMo-„Gewinn“ im Kasten, hatte ich mein Ziel erreicht. 800.000 Schreiber in aller Welt haben dabei mitgemacht. Wie viele es geschafft haben, weiß ich noch nicht – bis Mitternacht letzte Nacht haben viele noch gekämpft. Die meisten Amerikaner haben gestern noch den Weihanchtsbaum aufgestellt und geschmückt, typischerweise wohl am Vortag des 1. Dezember. Und haben danach noch bis Mitternacht geschrieben.

Und ich? Ich habe mir gesagt: der November ist zuende. Ab heute beginnt das „normale“ Leben wieder. Ab heute wird gebloggt, was das Zeug hält. Ich bin im Rückstand. Aber eins habe ich im NaNoWriMo gelernt: es ist nie zu spät zum Schreiben. Es ist immer der richtige Moment zum Schreiben. Und heute, am Seetag zwischen Bonaire und St. Lucia, fange ich wieder an zu bloggen.

Why a travel blogger isn’t blogging while traveling

For three weeks we have been traveling, and you haven’t seen a single blogpost. What happened? Well, for one thing, we have been traveling with our friends Fee and Wolfgang through Florida. From their place near Tampa, in Seminole close to St. Petersburg, via Sanibel Island, Fort Myers Beach, to Naples and on, across the Everglades to Key West. We did the same trip last year, and this year, our friends wanted us to do it together. After Key West, Wolfgang and I did a moderately short hop to Miami where we boarded our ship, the Europa 2, and have since been cruising through the Caribbean Sea. Fee and the other Wolfgang had a much longer car ride that day, as they returned to Seminole.

So was the companionship on the trip enough to keep me from blogging? Every morning, Fee and I took a long walk along the beach in our respective destination. We started out at 7 am, and by the time we returned to pick up our well-rested spouses for breakfast, we had solved the world’s problems so our men did not have to do that. 😉 We saw the sights as one does, on vacation, the men watched the fishermen, estimated the value of the yachts in the harbour and studied the real estate flyers, trying to come up with the missing millions to buy a beautiful villa by the beach. Fee and I eyed the displays in the boutiques – did we possibly need a new bathing suit? Finally, in Naples, I bought a fountain pen, of course. And every single Michaels, an arts and crafts and stationery store in the US, we visited for yet another roll of washi tape. I am crazy about this Japanese paper sticky tape which I use to decorate letters, cards, and my travel journal. In Florida, there is pink flamingo tape available which I crave. We dined on fresh seafood and fish, we drank pink tropical cocktails, sadly without little paper umbrellas, and we ate the sweet-and-tart key lime pie that gave us our typical tropical vacation rush. And we watched exactly 14 amazing sunsets.

So all that kept me from blogging? Not quite. November is NaNoWriMo, National (that means US) Novel Writing Month. 800.000 writers and would be writers, published authors and novices, started writing on November 1, hoping to reach their goal of 1667 words per day, or 50.000 words until November 30. That’s the length of a short novel. Was I crazy to want to join this group of frantic writers in their race towards this writing goal? I did a test run, the day before NaNoWriMo started. My one chance was to write every morning from my usual early wake up until it was time for breakfast. Usually, that would be 3 hours from 5 am to 8 am. Was that enough for 1667 words? That morning, I started my project: I was not going to write a novel, but a biography of my time in China. Twelve years in a nutshell. And that morning, I wrote 1670 words in 1 1/2 hours. It’s doable! And so, the next morning, I signed up on NaNoWriMo’s website. Every day now, I would update my word count, and see a little line creep ever so slowly towards my goal. I would see my own graphics: my own word count compared with the original goal. Within a short time, I was well above the projected line, and I felt secure in the knowledge that, should I ever miss a day, I would be ahead enough not to lose ground. And I did not miss a single day. Writing every day became a habit, almost an addiction. Even though my writing mornings got shortened due to my daily early morning walk, I managed my 1667 words or more. By now, I had a routine in place.

But my travels? Wasn’t I supposed to be enjoying them? Truthfully, there is never the perfect moment for writing. There is always something that gets in the way. Maybe it’s a loved one’s birthday that month? I had 4 in November! For the Americans among us, it was even more difficult. Thanksgiving, their most important family holiday is towards the end of the month. School kids stay home for the holidays, college kids fly home, and dinner that day is a huge roast turkey with seven sides, no less. We all knew we were going to struggle. Did I manage? Yes, I finished early, and “won” NaNoWriMo on November 22. Many of us struggled until midnight last night. Americans seem to set up their Christmas tree on the last day of November. Most of us did that, and decorated, and then wrote until midnight. I am sure there will be statistics eventually, how many of us made it. For me, as a novice, it was a proud moment. And I threw in a couple more chapters, a few more China episodes, just for the fun of it.

And now NaNoWriMo is over, and “normal” life can resume. And I am in the Caribbean, on a ship, between Bonaire and St. Lucia – and though I am terribly behind, now is the moment to start blogging. It is always a good moment to write. So bear with me while I catch up, and share with you my fun tropical vacation.

Everywhere you go, always take the weather with you….

 

Can you believe it? Our Italy trip is almost over. We only have 3 days left. 

Ok, ok, some people come to Italy for a 3-day vacation, I know. That’s all they get. And it’s worth it. But when we arrived in Tuscany, for our first real day of vacation, we thought our 8 weeks would never end. And now they are ending. It’s sad that it’s almost over, but exhilarating that we were able to do the trip at all. And to complete it. Those of you who joined my blog during my travel preparations know that I was worried about having to abort the trip, possibly after a week, after half the trip – and there have been precedents, and I had valid reasons to suspect we might not be able to finish our 8 weeks as planned. 

Our last stop here is Ferrara, where we are currently vegging out in the heat. It’s 33° C today, and supposed to get just a little bit hotter before we leave.

 

And the difference strikes me: we arrived end of April in cool, often rainy weather. (See my blogpost “Bubbles in the puddles”) While we travelled south, and April turned into May, it got cooler, windier and rainier. We travelled all the way to the southernmost points of Italy: Kalabria, Basilikata, Puglia, and by now it was end of May, and still the temperature did not go over 20°C. The locals called it „Maledetta Primavera“,  cursed spring, after a very popular song. And everywhere we went, we heard, “This is so unusual. Cold, rainy…” And in more than one apartment, we had rain leaking in through windows, doors and ceilings. And we had to heat them all, at night and in the mornings.

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We wore fleece sweaters, jeans, parkas, scarves for most of our first 5 weeks. When the rainy and stormy weather let up, and the temperatures still did not rise, we got brave and wore our short sleeves, just to have a bit of variety.

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Then finally, on the return trip north (by now, it was June), in Umbria, the temperatures went up. Waaaayyy up. Friday, they were expecting 37° in Umbria. We could not adapt fast enough. We aren’t used to this weather. We are used to  seeing photos of people wearing  summer dress in Berlin, complaining about the heat, while we still shivered in the evenings, on our balconies overlooking the Mediterranean Sea. While we heard: “I once was in Rome in May, and it was too hot to do any sightseeing.” Well, we count ourselves lucky that we did not experience THAT! 

 And now, we are ending our vacation in Ferrara. And it  is hot, hot, hot! 

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And we are so laid back, because we have been putting up with such crazy weather (including a crop-ruining hailstorm) for all these weeks… We are now learning one more thing (after we have learnt so much during our travels)  – to go with the flow. To relax like the Italians do. I go out early in the morning and get my hour of  walking in. We plan museum visits because museums are all air conditioned, or old massive stone structures. We lunch, and then we go to our air-conditioned hotel room, and don’t come out until the sun is almost setting. Then we go for a stroll. We have a cool drink. And when we get back, we spend another xouple of  hours sitting in our lovely little hotel patio, after sunset.

I think we are managing the Italian way of life beautifully, by now! Maybe we can keep it up, back home! 

Maledetta Primavera – Verfluchter Frühling

Kann man es fassen? Unsere Italienreise neigt sich dem Ende zu. Also – fast dem Ende. Wir haben noch drei Tage, und so mancher kommt nach Italien nur für so eine kurze Zeit und genießt es… 

Aber als wir hier ankamen, dachten wir, diese Zeit, die 8 Wochen, gehen nie vorbei. Und natürlich hatten wir ohnehin eher Sorge, den Urlaub wieder abbrechen zu müssen. Wer von Anfang an bei diesem Blog dabei ist, weiß, dass ich durchaus Gründe für diese Befürchtung hatte. 

Aber wir mussten nicht vorzeitig abreisen, und nun ist die schöne Zeit fast herum. Im Moment schmoren wir bei 33° C in Ferrara in der Emilia Romagna in Norditalien, und das ist etwas  total Neues. Als wir Ende April in der Toskana ankamen, an unserem ersten richtigen Ferientag, da fanden wir es etwas frisch, bei etwa 20°, und des öfteren Wind und Regen. Je weiter südlich wir kamen, desto mehr nahmen Wind und Regen zu, und die Temperaturen fielen noch.

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Wir trugen Fleecepullis, Jeans, Windjacken und Schals für den größten Teil der ersten 5 Wochen und selbst als Sturm und Regen nachließen, stieg die Temperatur kaum. An jedem Ort sagte man uns: „ Das ist nicht normal für diese Jahreszeit, das kennen wir so gar nicht!“ Naja, wir hatten uns Süditalien im Mai auch anders  vorgestellt! „Maledetta Primavera“ nannte man es in den Medien, Verfluchtes Frühjahr. Nach einem bekannten Pop-Song, in dem es eigentlich um die Liebe geht, aber auf das Wetter passte das auch ganz gut. 

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Als es nicht mehr bei unseren Quartieren durch Fenster, Türen und Decken hereinregnete, wagten wir schon mal, kurzärmlige Kleidung anzuziehen. Die Temperaturen stiegen aber noch nicht, und so saßen wir manchen Abend bibbernd auf dem Balkon und beobachteten den Sonnenuntergang. 

Selbst im tiefen Süden Italiens, in Kalabrien, der Basilikata, und in  Apulien blieb es frisch. Und dann, schon auf dem Rückweg nach Norden und mittlerweile im Juni, wurde es warm. Plötzlich, in Umbrien. Und es wurde in kürzester Zeit immer wärmer – für gestern wurden in Umbrien 37° C erwartet. Das sind wir nicht gewöhnt. Wir kommen kaum zurecht. 

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Aber nun kommt uns etwas zugute: wir haben uns der Italienischen Lebensart angepasst, bis zu einem gewissen Grade. Wir sind entspannt. Wir nehmen es, wie es kommt. Morgens stehe ich früh auf, um in der Kühle eine Stunde zu laufen. Dann besuchen wir Museen, denn die haben Klimaanlagen, um die wertvollen Exponate zu schützen. Oder wir gehen in alte, massive Steingemäuer, wie die Burg von Ferrara. Dort bleibt es kühl. Gegen Mittag essen wir, und dann ziehen wir uns in unser klimatisiertes Hotelzimmer zurück. Wir ruhen, in typisch italienischer Art. Vor 17h rühren wir uns nicht. Es hat sowieso keinen Sinn, denn vor 17h geht hier kein Rolladen hoch, macht kein Laden auf, sieht man kaum eine Menschenseele auf der Straße. Und dann, ganz langsam, wagen wir uns wieder hinaus. Es ist zwar immer noch heiß, aber jede Straße hat jetzt wieder eine „Schattenseite“. Auf der bleiben wir. Wir nehmen einen kühlen Drink, gehen dann ein bisschen spazieren… und sitzen nach Sonnenuntergang noch stundenlang im hübschen kleinen Patio unseres Hotels. 

Vielleicht können wir sie hinüberretten, die entspannte Haltung, die italienische Art, die Akzeptanz – es ist, wie es ist – in unser Leben zuhause? 

Verde Bosco

A post about our itinerary was going to be next. But…. something happened, a fun little story, and now I want to tell you about it first. 

Those of you who know me well, know I am into writing. Writing blogposts, writing stories, writing letters. Handwriting. On paper, with pens. Preferably with fountain pens. Which is why, when we travel from one Italian town to the next, I often look for stationery stores, online, then visit them in real life. Florence is famous for its paper, for a couple of shops that are known for their famous  brands of exciting fountain pens. I have been known to spend hours visiting the flagship store of Montegrappa in Bassano del Grappa in the north of Italy, and I bought a caramel colored beauty of a fountain pen there. I bought a beautiful Pineider  fountain pen in Devil Red in Florence on this trip. I went to the ancient paper museum in Amalfi and bought soft, white, handmade  paper with a watermark. I sent a letter to a pen friend, and he wrote back: “I love your letter. The first thing I thought was: Oh my, THIS paper!!! I can’t stop touching it! It’s so soft!“ (Thanks for the quote, Gabi!) So I know that some people who read this blog share my passion. 

This same person also gave me a gentle nudge. “I always read your blogposts on Sunday,” he said. And now I don’t dare let a Sunday slide by without a blogpost for him. For you. For all of us. Because I enjoy writing this as much as you may enjoy reading. 

What happened is this: we were based in Ravenna on our recent stop. We took day trips from there. One to the Pò Delta to see the pink flamingos, one to Bologna to see the city and taste the food. En route to Bologna, I googled. Stationery store. Pen store. Fountain pens. 

SCRIBO came up. I had never heard of SCRIBO before. I could not load their website. But the snippet of text under the answer to my search said, “SCRIBO continues the Omas tradition”…. and that piqued my curiosity. Omas pens are famous in the world of fountain pen lovers, on Facebook, for instance. I knew Omas pens are not produced any more, the company has gone out of business. The Why, I knew nothing about, the fact that someone in Italy continued the tradition… I was not familiar with. I still could not access their website, one of the quirks of internet-access-while-traveling. When I get curious, I can be like a terrier with a bone. I don’t let go. My map app, when I punch in SCRIBO, gives me an address, near the Western edge of the old town. 

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And we arrive in Bologna. We stroll the cobblestone streets, we visit the dome, we have a tasty lunch in a cozy little restaurant under the typical colonnades… and all the time, that little pinpoint on my map stays on my mind. Wolfgang hears periodically that I still want to see this place…. a shop, a flagship store, maybe, that sells  fountain pens that I can see, touch, maybe even try out? 

We take a little tourist train that takes us up a hill to a very famous church. I am distracted. We have a fabulous view over the city. I am not interested in seeing the church, I am interested in seeing fountain pens. On the way back into town, down from the hill with the church, the train stops and a couple of ladies get off. They must have talked to the driver beforehand, as the train does not stop anywhere, except at the church. Where are we? I get out my phone and check our location. “Wolfgang,” I say, “this is where my shop is!” By now, it’s already “my” shop. “Shall we get off?” he says, but there is no stopping the train. We finish our visit of the Bologna sights,  and my mind is still on fountain pens. “Let’s go there,” Wolfgang says, “and check out the address. I did not see a shop there.” I hadn’t, either, and disappointment was preprogrammed. 

Directly across the street, there is a parking lot. An auspicious sign? We walk across the street in the hot afternoon sun. We are tired, thirsty. We need to get back to Ravenna. We stand in the driveway of number 18. No sign of SCRIBO. No company plaque. We  enter a peaceful, quiet courtyard. Flowers, bamboo. Revamped factory buildings, charming.

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Some doors are open, others shut. Nowhere a sign for SCRIBO. “They’re not here,” Wolfgang says, “let’s go back to the car.”  I knock on an open door and stick my head in. “I am looking for a company by the name of SCRIBO,” I say, in halting Italian. “They’re over there,” a lady replies. I thank her and start walking. But the door is locked. “No, not over there, this door here,” she says. And we knock on yet another door. A lady looks up as we enter. “We are looking for SCRIBO,“ I say. “Yes, that would be Luca,” she answers. “He speaks English.” And a minute later, we are face to face with the CEO and Co-Founder  of this brand new start up company. He invites us up to his loft office, and we start chatting. “This is no store,” he says. “It’s a design center, and my office.” Well, I think, what now? Shall we leave? “Sorry to disturb you,” I mumble. But I stare with longing at a pretty glass case with even prettier pens in it. And inks. A display case of special editions the company has run. On special order of  certain companies.

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When I tell him the name Omas has lured me to this place, he starts telling us about the history. He and some colleagues worked together at Omas. The company was taken over, as so often happens, by a Chinese company. The business went  downhill. They were about to close down. Luca and a couple of friends tried to buy the company, but the Chinese owners refused. The company was closed. 

Luca and his colleagues gathered and restarted with their knowledge, and some of the  legendary technology. Voila, SCRIBO was born. Short for Scrittura Bolognese (Bolognese Writing), and SCRIBO translates into: I write. 

I cannot help be impressed by so much creative energy. Now, we were talking about the pens. Luca has brought some up to the loft for me. “These two are our new collection,” he says. “Verde Bosco and Verde Prato.”  One is a beautiful light green, the body shimmering, the trim silver. The other one a dark green, just as translucent with pretty light effects, with gold trim. Meanwhile, I have researched the price – it’s high. “Do you want to try?” asks Luca. Of course I want to! 

He brings out a bottle of ink from his desk and fills the pen with a beautiful green ink matching both pens. I try the dark green pen first. “It has a 14 karat gold nib that flexes,” he says. The flex, though I have never experienced it, allows for different line width, depending on how hard you press down. I am afraid of breaking this piece of art, and I press very lightly, and my line get wider. I am in love. 

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Meanwhile Wolfgang quizzes Luca about his business model, about the Chinese company that dropped Omas (we have our own experiences with Chinese companies…) and Luca tells him about his business philosophy, his start up situation. Meanwhile, I doodle happily. I am mostly tuned out of the conversation, I am in fountain pen heaven. I draw green lines, watch the ink pool and gather at the end of each stroke, watch the ink dry in darker green and lighter green, an effect called “shading”, as I write “Bologna” over and over again. Then I write “I love this pen” and Luca laughs. He writes “Feel the writing”. FEEL is the name of the pen model, and “FEEL the writing” is their marketing slogan. 

We’re tired, it’s late, we need to get back to Ravenna. We say good bye to Luca, our gracious host who has spent the better part of an hour chatting with us pen lovers. We sit in rush hour traffic and I see Verde Bosco ( forest green) everywhere. They will be delivering to Berlin soon, Luca said. They are still expensive, quite exclusive products. And I love and admire them from afar. 

“Maybe you should get this pen when we get back to Berlin,” Wolfgang says. Luca has told us which shop will be carrying them, on Uhlandstrasse. We know the shop. It’s where Wolfgang gets my birthday presents for me. Paper. Pens. Pen wraps, in beautiful soft leather, to store my pens in. And now I get nervous. What if they don’t have my favourite body / nib/ color combination, in Berlin? What if someone snaps up the only Verde Bosco with 14 K gold flex nib, before I get home? “Call Luca,” says Wolfgang. And the end of it is, on Tuesday, we will go back to Bologna, and to Luca’s loft office, and we will pick up my (MY!!!) SCRIBO pen. In Verde Bosco. With a nib to dream of. Excuse me while I will be writing through the night. 

Verde Bosco

Hier sollte eigentlich jetzt ein Blogpost über unsere Reiseroute stehen. Aber etwas hat sich ereignet… und ich will euch zuerst davon erzählen. 

Wer mich kennt, weiß, dass ich gerne schreibe. Blogposts, Stories, Briefe. Briefe, von Hand, mit Füller und Tinte. Auf Reisen google ich immer, ob eine Stadt einen Schreibwarenladen hat. Papier, Füller, Tinte, eventuell? Im vorigen Jahr habe ich Stunden im Flagship Store der Füllerfirma Montegrappa in Bassano del Grappa verbracht und ein wunderschönes karamellfarbenes Exemplar gekauft. In Florenz im Pineider Flagship Store einen herrlichen Füller in „Teufelsrot“.  In Amalfi wunderbar weiches, handgeschöpftes Papier aus dem Papiermuseum, das jahrhundertealte Papiermanufaktur zeigt. 

Einem Brieffreund habe ich darauf einen Brief geschrieben. „Ich liebe deinen Brief,“ schrieb er zurück. „Dieses Papier! Es ist so herrlich weich! Ich möchte es immerzu berühren.“ Ich weiß also, dass manche von euch mich gut verstehen. 

Derselbe Freund hat mir auch einen Wink mit dem Zaunpfahl gegeben. „Ich lese deine Blogposts immer am Sonntagmorgen,“ schrieb er. Ich habe verstanden, Gabriel! 

Hier ist die Geschichte: 

Wir waren zuletzt in Ravenna und unternahmen von dort aus schöne Ausflüge. Ins Pò- Delta, wo wir Flamingos beobachteten, nach Bologna, um die Stadt anzusehen und die weltberühmte Küche zu probieren. Wolfgang fuhr, und ich googelte, natürlich, Schreibwarenläden. Füller. Tinte. Wie es so ist auf der Autobahn, die Verbindung baute sich nicht vernünftig auf, ich las zwei Zeilen von SCRIBO, die Firma, die die Omas-Tradition fortsetzt…. die Webseite wollte sich nicht öffnen. Omas-Schreibgeräte, davon hatte ich gehört, die sind berühmt in Schreiber-Kreisen und Foren. Die Firma stellte sie  nicht mehr her, das wusste ich, sehr zum Bedauern aller, die die Füller je genutzt hatten. Meine Karten-App immerhin wusste, wo SCRIBO zu finden war und  setzte mir eine roten Punkt in den Stadtplan von Bologna. 

Nach unserer Ankunft schauten wir uns den Dom an, wanderten durch die kleinen Gassen, im Schatten unter den für Bologna so typischen Bogengängen, aßen leckere Lasagne

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und nahmen dann ein Touristenbähnchen hinauf auf den Berg in der Nähe, wo eine berühmte Kirche zu besichtigen war. Wir stiegen nicht aus. Die Kirche interessierte mich nicht so sehr, meine Gedanken waren bei dem roten Punkt im Stadtplan, bei einem Laden, wo ich vielleicht Füller sehen, anfassen, vielleicht sogar ausprobieren könnte. 

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Der Zug hielt kurz, ein paar Damen stiegen aus. Sie mussten das vorher mit dem Fahrer abgesprochen haben – denn der Zug hielt eigentlich nur an der Kirche. Ich schaute auf mein Handy. Wo waren wir? Wir waren genau auf dem roten Punkt in meinem Plan. „Hier ist mein  Shop,“ sagte ich zu Wolfgang, aber der Zug fuhr schon weiter. Inzwischen war es nun schon „mein“ Shop. „Ich hab da nichts gesehen, keinen Laden,“ meinte Wolfgang. Ich hatte auch nichts gesehen, was nach einem Füllerladen aussah, und bereitete mich schon mal auf eine Enttäuschung vor. 

Im Stadtzentrum zurück schauten wir noch ein paar Sehenswürdigkeiten an. „Lass uns probieren, diesen Laden zu finden,“ sagte Wolfgang dann. Wir parkten direkt gegenüber der Adresse, aber an der Einfahrt war kein Schild, kein Hinweis. Wir liefen in den Hof hinein, der wunderschön begrünt war, mit Blumen und Bambus. Renovierte Fabrikgebäude standen dort, und immer noch kein Zeichen von SCRIBO. Ich steckte den Kopf in eine offene Bürotür und fragte in meinem unsicheren Italienisch nach SCRIBO. „Dort drüben,“ sagte die Frau, aber die Tür war abgeschlossen. „Nicht dort,“ rief sie mir hinterher, „hier!“ Und diese Tür öffnete sich. Eine Empfangsdame schaute uns fragend an und wieder trugen wir unseren Wunsch vor. „Das wäre dann Luca,“ sagte sie und rief ihn. „Das ist hier kein Verkaufsraum,“ sagte Luca nach der Begrüßung, „es ist unser Designcenter und mein Büro.“  Es stellte sich heraus, Luca war der Geschäftsführer und Mitbegründer. Er lud uns ein in sein Loft-Büro, wo es sich zwischen tropischen Pflanzen und coolen Möbeln sicher gut arbeiten ließ. 

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In einer Glasvitrine sah ich Füller, und Tinten.  Sondereditionen, für Firmen auf Wunsch angefertigt. 

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Und dann erzählte er uns die ganze Geschichte. Von Omas, dem Traditionsbetrieb, in dem er arbeitete, bevor ihn eine chinesische Firma übernahm. Vom Niedergang der Firma, und dem Versuch einiger Mitarbeiter, die Firma weiterzuführen, was aber dem Besitzer nicht gefiel. Und vom Neustart des kleinen Unternehmens SCRIBO, das er und seine Kollegen jetzt aufbauen. Scrittura Bolognese, Schreiben in Bologna, ist der volle Name, abgekürzt SCRIBO, italienisch für „Ich schreibe.“

Und dann präsentierte Luca mir die Füller. „Möchtest du mal probieren?“ fragte er. Natürlich wollte ich! „Das hier ist unser neues Modell, in Verde Bosco und Verde Prato.“  Der eine Füller schimmerte in hellem Grün, Wiesengrün, mit silbernen Akzenten. Der andere war dunkelgrün („Waldgrün“)  mit ebensolchen Lichtreflexen, und goldenen Details. Ich schrieb, und verlor mich völlig. Während Luca und Wolfgang Start-Up Strategien diskutierten, schrieb ich mit grünem Füller und grüner Tinte ein Dutzend Mal „Bologna“. „Das ist eine 14 Karat Goldfeder, mit Flex,“ hatte Luca mir erklärt. Mit Flex-Federn habe ich keine Erfahrung, aber die unterschiedliche Strichstärken zu erzielen, gelang mir bald. 

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„I love this pen,“ schrieb ich. Und Luca schrieb dazu, „Feel the writing“. FEEL ist der Name der neuen Serie, und „Feel the writing“ ist der Slogan dazu. Und dann war es Zeit zum Gehen. Es wurde spät, wir mussten noch zurück nach Ravenna fahren, und auch von Luca’s Gastfreundschaft hatten wir lange genug Gebrauch gemacht. 

Auf dem Rückweg standen wir im Stau, Berufsverkehr in Ravenna. Mir ging Verde Bosco nicht mehr aus dem Kopf. Zuhause angekommen, ließen wir diesen Besich noch einmal Revue passieren. „Du solltest dir in Berlin so einen Füller kaufen,“ sagte Wolfgang. Denn in Berlin würden sie bald ausgeliefert, an einen Laden, den wir schon kennen, in der Uhlandstrasse. Dort hat Wolfgang mir dieses Jahr alle meine Geburtstagsgeschenke gekauft. „Und wenn sie nun meine Lieblingskombination so nicht bekommen?“ sagte ich. Verde Bosco mit goldener Flex Feder in Medium, etwas anderes ging nun nicht mehr. „Ruf  Luca an,“ sagte Wolfgang. Und nun steht es fest: wir fahren Dienstag noch einmal nach Bologna und ich hole mir meinen Traumfüller ab, aus Luca’s Loft-Büro  – zusammengebaut genau nach meinen Wünschen. Und Ihr entschuldigt mich dann bitte – ich werde wohl die ganze Nacht lang schreiben! 

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Why an #ItalyRoadTrip?

(Disclaimer: if anything looks like an advertisement, it is not placed here in exchange for any favors or advantages) 

 

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“Why 8 weeks in Italy?“

“When are you going home?”

“How did you schedule your itinerary, your accommodation?” 

There are a couple of questions like that that I have been asked, in emails, on Facebook, by friends. 

I will post a couple of short blogposts about our motivation, our planning, our scheduling. Our ideas for places to go, places to stay,  things to see. 

One thing first: we have been incredibly lucky with the places and accommodation we have chosen. There was not a single flop among our destinations so far (6 weeks into the #ItalyRoadTrip). Was that due to diligent planning, informed decisions? I’d say, it is due to a bit of each but mostly we have just been lucky. From a booking.com listing you get only so much. A few photos, the number of bedrooms  and bathrooms, and price and availability. Sometimes, they tell you if a place has a view. We love views! But is that a perfect place to stay? You won’t know until you arrive. 

But let me start at the beginning: Why Italy?

When we still lived in China but were getting ready to move back to Germany (this has been a topic in a previous blogpost), Wolfgang tried to console  me. I knew my China-travel days were coming to an end, and I was sad. Traveling in Asia had been one of my aims and highlights of our 12 years living in China. 

Wolfgang said, “Traveling in Europe is great. There’s so much to see.” And of course, now we would be retired, where before, we had always been working, both of us, and raising our daughters, so trips were limited to school vacations, and job schedules, and we’d have different agendas to consider. Now, we‘d be free to go, on the spur of the moment, without considering anything, anyone, realizing on a whim the travel plans that would pop into our heads, spontaneously. 

Sounds good, right? Well, we all know life doesn’t work that way. For two years after we moved, we remodelled the house, we realized our mothers both needed to be moved into care facilities, we found  grannying had a huge appeal (all four of our grandkids were born while we lived in China), and so we started out late with these preliminary plans that Wolfgang had sent me in an excel spreadsheet and that eventually evolved into real plans. Three Excel sheets included traveling to Italy which we loved, and had been to umpteen times, to France, and eventually to Spain. Italy comes first, I decided, because we had been to many places there already… it was familiar, I used to speak the language rather fluently, decades ago… we had been in the north often, but never in the south….. enough reasons! 

 The thing was, we started out several times, but  we always had to turn around and drive back – once our basement got flooded, another time one of our mothers broke a leg and the other one an elbow…. 

Another time we planned the trip, Wolfgang had found a six-month job he wanted to take, in California, and so the long Italy trip turned into yet another short one. It seemed we could never get this long road trip on the road. We cut it short, interrupted it and started over, we cancelled it and postponed it. But  finally, 2 years and three months after the original plan was born, we finally loaded the car, fired up the engine, and took off….

See my next blogpost for our itinerary. 

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Warum 8 Wochen Italien?

(Disclaimer: Sollte hier etwas nach Werbung aussehen – ich bin nicht dafür bezahlt worden oder erhalte sonst irgendwelche Vergünstigungen) 

„Warum Italien?”

„Wann kommt Ihr wieder?” 

„Wie habt Ihr diese Reise geplant?”

Auf Facebook, in meinem Blog, per E-Mail von Freunden bekomme ich diese Fragen, denn es ist wohl  schon etwas ungewöhnlich, wenn sich jemand aufmacht, per Auto längere Zeit durch Italien zu reisen. 

In ein paar kurzen Blogposts will ich nach und nach die Fragen  beantworten, so gut ich kann: über unsere Motivation, die Reiseplanung, unsere Quartiere und die Orte, die wir besucht haben und noch besuchen wollen. 

Eins kann ich jetzt schon sagen: wir haben sehr viel Glück gehabt mit der Auswahl der Orte und Quartiere! Bisher (6 Wochen nach Start) ist nicht ein einziger Flop dabei! Haben wir nun so gut recherchiert, studiert, ausgewählt, dass das einfach gelingen musste? Ein bisschen Vorbereitung war natürlich dabei – zum Beispiel konnten wir auf der ITB in Berlin (Internationale Tourismus Börse) im März viel Material sammeln, mit einigen Leuten sprechen aus Regionen, die wir besuchen wollten. Aber überwiegend war es eben – Glück! Man kann nur soviel Informationen aus den Buchungsportalen entnehmen (wir buchen überwiegend über booking.com) – wie groß ist das Zimmer, die Ferienwohnung, das Haus, liegt es am Meer, hat man eine schöne Aussicht? Aber wissen kann man erst, wenn man ankommt, ob das eine glückliche Wahl war. 

Aber ich fange mal am Anfang an: 

Als wir noch in China lebten, uns aber langsam auf den Umzug nach Deutschland vorbereiteten, war ich sehr traurig, dass meine Zeit der wunderbaren Reisen in Asien zuende ging. Wolfgang wollte mich trösten. „In Europa kann man wunderbar reisen,“ sagte er. „Es gibt so viel zu sehen!“ Und bald schickte er mir eine Excel-Datei mit drei Blättern: Italien, Frankreich und Spanien.  Italien musste zuerst kommen, fand ich. Wir waren schon oft dort, sind aber nie über den Norden und die Mitte hinausgekommen. Es ist uns teilweise recht vertraut, ich sprach vor Jahrzehnten die Sprache schon mal fließend…. bis in den tiefen Süden wollten wir es diesmal schaffen. 

Und jetzt würden wir ja im Ruhestand sein. Wir mussten nicht mehr, wie  vor China, 2 zugeteilte Urlaube jonglieren, mit den Schulferien unserer Töchter in Einklang bringen, wir brauchten auf  nichts und niemanden mehr Rücksicht zu nehmen, nur auf unsere eigenen spontanen Ideen und Pläne. Wir würden uns Zeit nehmen, uns einfach treiben lassen… 

Soweit alles klar. Aber im Leben ist es nicht so klar, das wissen wir. Über zwei Jahre lang erneuerten wir vieles in Haus und Garten, besorgten für unsere Mütter die Umzüge ins Pflegeheim…  genossen das Großeltern-Dasein (unsere vier Enkel wurden alle während unserer Zeit in China geboren) und so starteten wir, mit Verspätung, durchaus schon ein paarmal…. und mussten dann wieder umdrehen. Einmal war unser Keller geflutet, einmal brach sich eine der Mütter das Bein, die andere den Ellenbogen…. und dann entschied sich Wolfgang für einen temporären Job in Kalifornien… und wieder wurde aus der langen Tour eine kurze. Wir unterbrachen, brachen ab, nahmen wieder auf, verschoben, sagten ab. Und dann, zweieinviertel Jahre nach der ursprünglichen Idee, war es endlich soweit. Wir beluden das Auto, starteten den Motor, und los ging’s. 

Im nächsten Blogpost geht es um die Reiseroute. 

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Italy’s deserted hill towns

 

Of the once deserted ancient hill towns in Southern Italy that we have seen, Matera in Basilicata certainly made the most dramatic comeback. And it may be the most unusual of them all, with its caves dug into the soft stone all along the cliffs and ravines. These caves were heavily populated until the 1950s. Large families and livestock lived together in one-room or two-room windowless caves, with the doorless cave mouth the only opening for letting in air and light. No plumbing, no electricity. Wood burning stoves in places with little or no ventilation. Once the cave dwellings were officially declared unfit for living, people were forced to leave them. Surely, with malaria, and dysentery rampant in the cave town, and infant mortality at 44%, politicians would see only the unsanitary part of the living conditions. But my heart breaks at the thought of people having to leave their homes, being resettled (yes, sanitary conditions certainly improved in the faceless new buildings at the edge of town) … and so many people did not manage to adjust. A shift in agricultural methods, and subsequently  in demographics, forced many to leave the area, and often the country. 

The Casa Noha in Matera, a bit off the beaten path of tourist itineraries, shows videos about the uprise and downward slide of Matera, and the footage of people leaving their home town, their home country, is very emotional. 

But Matera made its way back up in popularity. It is Cultural Capital of Europe this year (2019), and UNESCO has subsidized European meetings, projects, and changes. Today, Matera holds many attractive activities and festivals, has researchers come in from all over Europe, and sees a steady flow of tourists who explore the ancient town, its endless stairs, its rock church where fresco restauration is in progress, its model cave dwellings, furnished in the original style but certainly cleaned up. 

Pretty little cafes, restaurants, shops, and B&Bs pop up and cater to the tourist crowds. In May, on a cold and windy day, the crowds were tolerable. I hope they stay that way come summer. 

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Not all hill towns in the south of Italy have been as successful in making a comeback. I visited Badolato in Calabria just a week before I came to Matera. About 500 to 700 mostly older people remain in the town that is sadly falling apart. Initiatives try to revive the place, but progress is slow. Badolato has been in the public eye, not as successfully as Matera, since 1997 when several hundreds of refugees were stranded in that area, and the people of Badolato took them in and provided accommodation in deserted homes. Since then, some artists have been drawn to the area, and restoration plans have been made, but progress is slow.

These medieval towns provide beautiful motifs for photographers, artists and tourists, but their economical success is not guaranteed. In Badolato, stately palaces are in a steady decline  into ruins, and without their roofs, open to the elements, that decline is swift. In previous centuries, earthquakes and floods have repeatedly destroyed the ancient structures. 

The younger generations are still leaving those poorer areas in droves, moving towards the tourist centers or the economical more sound north of  Italy, or to more prosperous member states of the European Union. 

It is sad to see such beauty and ancient history deteriorate and fall apart, I loved seeing and walking  those medieval hill towns of Southern Italy. What will be left of them in a few decades?

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(For those of you who plan to visit, here’s a blogpost that I liked: 

https://www.neverendingvoyage.com/sassi-matera-italy/)

Italiens verlassene Städte

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Von allen vormals verlassenen Städten, die wir gesehen haben, hat Matera mit Sicherheit das dramatischste Comeback hingelegt…. und möglicherweise auch die dramatischste Geschichte des Verlassen-Werdens. Eventuell ist es auch eine der interessantesten Städte überhaupt – mit seinen Höhlenwohnungen, die in den Berghang gegraben sind. Ein besonders gut formbarer Stein ermöglichte das. Zuerst waren es Mönche, die Höhlen gruben, um darin zu wohnen, zu meditieren, oder sich vor Verfolgung zu schützen. Später gruben wenig begüterte Menschen ein billiges Zuhause für ihre Familien in den Stein. 4-7 Kinder hatte jede Familie damals, und in 1-2 „Räumen“ wohnte und schlief die Familie mitsamt dem Vieh. Die Eingangsöffnung bot die einzige Ventilation, Tageslicht drang kaum herein. Elektrizität oder Spültoiletten gab es nicht. Die Kindersterblichkeit lag bei 44%, ansteckende Krankheiten grassierten. Die Politiker nannten in den 1950er Jahren Matera „Die Schande Italiens“, und beschlossen, diesen unhygienischen Zuständen ein Ende zu bereiten. Alle Bewohner der Höhlen sollten innerhalb weniger Jahre umgesiedelt werden. Am Stadtrand stellte man Neubauwohnungen zur Verfügung. Viele, aber eben nicht alle Bewohner dieser Armen-Höhlen siedelten erfreut um und fühlten sich fortan wohl. Ein Riss ging durch die Bevölkerung, als von  öffentlicher Seite nun auch noch die Landwirtschaft umgestellt wurde. Bald hatten viele der Umgesiedelten ihr bisschen Lebensunterhalt auch noch verloren, und viele zogen fort aus der Gegend, häufig sogar bis ins Ausland. Im wohlhabenden Norden Italiens waren sie auch nicht gerne gesehen. 

Um diese Zeit etwa wurde ich geboren, aber ich erfuhr nichts davon. Von Italien hörte ich erst viel später, als schon viele „Gastarbeiter“ in Deutschland lebten, in den Fabriken arbeiteten, oder z. B. Pizzerien aufmachten. Und als viele Deutsche begannen, nach Italien zu reisen, an die Adriaküste, aber nicht in den tiefen Süden Italiens, den „Mezzogiorno“. 

In der Casa Noha in Matera werden bewegende Filme gezeigt, über das Leben in den Höhlen und die Zwangsumsiedlung. 

Jahrzehnte später wurde damit begonnen, die Höhlen herzurichten und für die Stadt, die so malerisch am Berghang klebt, zu werben. Sicherlich sind solche mittelalterlichen Städte,  mit dem einen oder anderen  verfallenen Palazzo, Kirchtürmen und überwachsenen Ruinen ein Paradies für Künstler und Touristen. Matera besteht heute großenteils aus hübschen Läden, Museen, Restaurants, Cafés und Mini-Hotels in gesäuberten und wieder hergerichteten Höhlen. Wir selbst haben in so einem Zimmer gewohnt, sehr schick mit edlem Bad.

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Es hat sich viel getan in Matera. Die UNESCO hat es zunächst zum Weltkulturerbe, und später zur Kulturhauptstadt Eutopas 2019 erklärt. Viele Projekte finden dort statt, Touristen strömen in die Stadt, Fördermittel fließen. Matera ist wieder belebt, beliebt, bekannt. 

Nicht jede verlassene Stadt in Süditalien schafft diesen Durchbruch. Badolato haben wir besucht, in Kalabrien ganz unten – danach kommt nur noch Badolato Marina, der Strandort, und Afrika. In den 1990er Jahren strandeten Hunderte von Flüchtlingen in der Gegend, und das Bergdorf Badolato nahm sie auf. Zuvor waren die jungen Leute des Ortes schon ausgewandert, nur noch etwa 500 bis 700 zumeist alte Menschen wohnten noch dort. Auch dort gibt es Initiativen, die Stadt wieder zu besiedeln. Künstler siedeln sich gerne an, die lokale Regierung kauft leerstehende Häuser auf und restauriert sie. Aber all das ist langsamer Fortschritt. Ein wunderschöner alter Palast soll ein Hotel werden. Über den Plan wurde schon vor einigen Jahren geschrieben. Noch heute wuchert das Unkraut in der Ruine, und als wir etwas höher stiegen, sahen wir, dass das Dach fehlt…. der Verfall schreitet so schnell voran, traurig kann man dabei nur zusehen. 

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Nicht für jede der verlassenen mittelalterlichen Städte auf den Hügeln Süditaliens ist ökonomischer Erfolg garantiert. 

Die jungen Leute verlassen immer noch Süditalien in großer Anzahl. Gerade vor meiner Abreise hierher las ich von einem Hilfsprogramm, das jungen Leuten aus dieser Gegend Ausbildungen und Umschulungen in Deutschland, zum Beispiel zum Pfleger, anbietet. Dieser Beruf hat bei uns Nachwuchsprobleme. So bleiben wieder  nur die Alten zurück, und Städte wie Badolato veröden weiter. Erdbeben haben in der Vergangenheit schon viel zerstört. Diese schönen, historischenOrte, die ich besucht habe, was wird von ihnen in ein paar Jahrzehnten noch übrig sein? 

https://www.amavido.de/italienisches-dorf/badolato